Wasser

Wasser: Alles Leben entstand aus Wasser.

Alles Leben braucht Wasser.

Unser Körper besteht zu ca. 70% aus Wasser.

Chemisch ist es:

H2O.

Poetisch ist es:

„Wie freut sich das Wasser, wenn es im Gedicht den Berg hochfließen darf!“

(Manfred Hinrich, dt. Philosoph, Philologe, Lehrer u.m.)

Oder:

„Wenn das Meer den Fels umspült, und die See ist aufgewühlt, sind die Schaumkronen wie Tatzen von aberhunderten Meerkatzen.“

(Erhard Horst Bellermann, dt. Bauingenieur, Dichter und Aphoristiker)

Für alles Lebendige ist es schlichtweg: lebensnotwendig.

Ohne Wasser wäre kein Anbau von irgendetwas Essbarem möglich. Genauso wenig wie ohne unsere Sonne.

Ein Recht auf Wasser für jeden ist eigentlich schon in den ersten 3 Artikeln unserer Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert:

Artikel 1 (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit): Wir könnten unsere Freiheit nicht ausleben, hätten wir keinen Zugang zu Wasser. Wasser erlaubt uns, uns selbst/unseren Körper zu erhalten. Ohne dieses Instrument (unseren Körper) wäre selbstverständlich keine Freiheitsausübung möglich.

Artikel 2 (Verbot der Diskriminierung): Dies betrifft natürlich jeden Menschen, unabhängig von Religion, Nationalität, Geschlecht, Herkunft, Bildungsgrad,…

Artikel 3 (Recht auf Leben und Freiheit): Geht Hand-in-Hand mit Artikeln 1 + 2, selbsterklärend.

Ebenso ist es in den 2015 festgelegten SDG’s (= Sustainable Development Goals oder auch Agenda 2030) als das sechste (s.u.) von 17 Oberzielen aufgeführt. Die SDG’s haben als Ziel durch globale Zusammenarbeit echte Nachhaltigkeit auf globaler Ebene zu erzeugen, indem ökologische, soziale und ökonomische Gerechtigkeit zusammengedacht werden. Dies soll erreicht werden, indem von allen 193 Staaten Ziele wie Armutsbekämpfung, Gesundheit und Bildung zu verbessern, Ozeane, Wälder und Gewässer zu schützen, usw. in kleinteiligeren Zielen verfolgt und kooperativ umgesetzt werden.

Das klingt natürlich recht idealistisch, aber beeindruckender Weise haben 2015 alle Staaten dieser Satzung zugestimmt.

Artikel 6 sagt aus: ‘Ensure availability and sustainable management of water and sanitation for all.’ = (auf Deutsch) „Die Verfügbarkeit und das nachhaltige Management von Wasser und sanitären Einrichtungen soll für alle Menschen gegeben sein.“

Da Wasser so viele Querverbindungen zu anderen Bereichen unseres Lebens hat und einfach eine basale Quelle des Überlebens ist, ist es essentiell, Gewässer, Ozeane, Meere, Flüsse, Seen, Aquifere, Ästuäre, das Wattenmeer, Brunnen, den Gartenteich und alles Weitere, was dazuzählt, zu schützen, zu bewahren und sich für eine saubere Wasserqualität einzusetzen. Wasser sollte bewusst genutzt, wenn nötig gespart und Wasserkreisläufe wieder hergestellt werden.

Wasser ist für uns nicht nur als Trinkwasser überlebenswichtig, sondern auch in der Landwirtschaft, der Industrie, für die Hygiene, im medizinischen Bereich, zum Aufbau von Infrastruktur, usw. Der Mensch braucht daher zum Überleben viel mehr Wasser, als das, was uns täglich im Wasserglas oder unter der Dusche begegnet.

Nicht umsonst gibt es mittlerweile die ‚berühmten‘ Berechnungen, dass 1 Tasse Kaffee 140 Liter verbraucht. Oder ein Hamburger 2.400 Liter. Auch das müssen wir in unseren Verbrauch einrechnen.

Hier in Europa und in den USA merken wir für uns persönlich kaum einen Wassermangel – in diesen Regionen liegt der Wasserverbrauch pro Person bei 400 – 600 Liter pro Tag – recht unvorstellbar, ich weiß. Im Vergleich dazu: in Hilfsprojekten in Ländern des Globalen Südens streben die Mitarbeiter eine Wasserverfügbarkeit von 40 Liter pro Tag pro Person an.

Die Verteilung von Wasser um den Globus herum ist also sehr unterschiedlich, auch wenn es für alle Menschen ein Menschenrecht darstellt.

Zudem gehen wir mit dieser Ressource leider gar nicht gut um.

Unsere konventionelle Landwirtschaft als auch globale Abholzungen richten Schaden an den Böden und damit auch an unserem Wasser an.

Aber wie? Und warum?

Abholzungen

Ich gehe erst auf Abholzungen ein – das ist recht einfach und einleuchtend. Bäume sind tief in den Boden verwurzelt, die Wurzeln absorbieren selbst Wasser und stellen eine Umgebung her, die das Wasser im Boden hält. Wir sehen die Anwesenheit von Wasser meist nur in stehenden oder fließenden Gewässern. Das meiste Wasser ist jedoch im Boden oder in der Biomasse in Ökosystemen selbst gespeichert, das heißt in lebenden Organismen. Ein Baum mit seiner gesamten Blattmasse, seinem stattlichen Stamm und einem Wurzelsystem, was wesentlich größer ist, als wir es uns vorstellen, kann sehr viel Wasser speichern.

Bei Abholzungen fehlen dem Boden die Infrastruktur (Wurzeln), die das Wasser zurückhalten als auch das kühlende Klima der Blätterdächer. Der Boden wird Hitze und Erosion ausgesetzt. Bei Starkregen werden daher die obersten Schichten einfach weggewaschen. Starkregen wird durch Abholzungen wahrscheinlicher, weil Wälder zu einer konstanten Verdunstung von Wasser und einem gleichmäßigen Abregnen sorgen, indem sie auch Einfluss auf die Winde haben. Wie vor nicht allzu langer Zeit festgestellt wurde, entstehen über den Wäldern durch die Verdunstung von Feuchtigkeit Tiefdruckgebiete. Hochdruckgebiete schieben mit Wasser gesättigte Luft in Tiefdruckgebiete, so dass es regelmäßig über Wäldern zu Regen kommt. Fällt dies weg, verändern sich Hoch- und Tiefdruckgebiete als auch die Intensität des Niederschlags.

Für die Landwirtschaft wie wir sie noch im großen Maßstab betreiben, wurden artenreiche Gebiete in Monokulturen umgewandelt. Dort fehlen Hecken, wilde und/ oder waldigen Ecken oder Konturen, die Regen navigieren wie gerade beschrieben, den Wasserfluss verlangsamen und heftige Erosion abhalten bei Starkregen.

Die konventionelle Landwirtschaft ist auf große schwere Maschinen/Traktoren angewiesen, um weitläufige Flächen bearbeiten zu können. Diese verdichten den Böden und machen ihn wasserundurchlässig. Zudem wird wichtiges Gewürm abgetötet wie Regenwürmer, die den Boden mit ihren Gängen porös, locker und ideal für Wasseraufnahme machen. 70 Prozent weltweit fließt weltweit daher auf unsere Felder, weil diese es nicht mehr absorbieren können und weniger gemäßigter Regen fällt.

Die künstliche Bewässerung, die wir der Natur als Ersatz anbieten, versalzt den Boden.

Unseren Feldern wird ein Cocktail aus künstlichem Dünger, Herbiziden, Fungiziden, Insektiziden dazugegeben, um ‚sauber‘ ohne jegliche Mitnießer wie den einen oder anderen Wurm, Käfer oder anderes Kraut Getreide, Obst und Gemüse anbauen zu können. Dieses beinahe chemische Experiment führt dazu, dass jegliche Bodenbiota abstirbt, die den Boden im Normalfall locker und durchlässig macht.

Stattdessen ist der Boden ‚leer‘, leer von Wurzeln aller Art, Tieren, Gewürm und allem, was einen gesunden Boden ermöglicht, Wasser aufnimmt, hält und zum Wasserkreislauf beiträgt. In einem gesunden Boden befinden sich in 0,3 Kubikmeter 1,6 Billionen Lebewesen. Im Vergleich dazu: Auf der ganzen Erde leben derzeit „nur“ 7,1 Milliarden Menschen.

Durch einen ‚leeren‘ Boden rauscht Regenwasser einfach nur so durch. Statt einen ganzen Wasserkreislauf zu durchlaufen, schafft das Regenwasser gerade mal einen halben Wasserzirkel: Wasser verdunstet vom Ozean, fällt als Regen auf das Land (Charles Eisenstein, 2018), fließt in Flüsse ab und zurück in den Ozean. Bei einem ganzen Wasserzirkel sinkt das Wasser in die Erde ab und verweilt dort Wochen oder sogar mehrere Jahrzehnte bevor es wieder in den Quellen ankommt. Das Regenwasser wird dadurch daran gehindert, auf seine natürlich Art und Weise gereinigt zu werden, indem es durch diverse Erd- und Sandschichten sickert. Nach diesem natürlichen Filterungsprozess sollte es in unsere unterirdischen Grundwasserspeicher und -leitungen (Aquifere) zurückgelangen. So sollte es sein, so passiert es allerdings immer weniger.

Durch den Aufbau von gesundem Boden, auch organische Bodensubstanz oder Humus genannt, können erstaunliche Ergebnisse für den Wasserrückhalt, der Qualität des Wassers und damit die Gesundheit des gesamten Systems festgestellt werden.

Der Aufbau von einem Zentimeter Humus kann 70.000 Liter mehr Wasser auf der Fläche zurückhalten. Humus kann damit das 20fache seines eigenen Gewichts speichern. Ist das nicht fantastisch?

Es gibt also Abhilfe! Humus war jetzt das 1. Stichwort. Wie geht Humusaufbau? Indem man dem Boden hilft, wieder eine gesunde Oberschicht aufzubauen. Das funktioniert, indem man ihn nicht ‚nackt‘ lässt, sondern immer bedeckt hält. ‚Mulchen‘ ist hier das Zauberwort, das heißt zwischen allen Pflanzen organische Material schichten, das der Bodenfruchtbarkeit hilft. Zwischen Gemüsepflanzen kann dies z.B. Stroh sein, zwischen Beerensträuchern können dies Holzschnitzel oder Rindenmulch sein oder auch mal Gras vom Rasenmähen. Der Boden arbeitet es selbst mit der Zeit ein und freut sich über die ‚Nahrung‘ und darüber der Sonne nicht exponiert zu sein.

In städtischen Gebieten könnten durchlässige Oberflächen für eine Wasseraufnahme im Boden sorgen – hat bestimmt jeder schon einmal gesehen: diese karo-förmigen Steine mit einem Loch in der Mitte, die immerhin ab und zu schon mal bei Parkplätzen verwendet werden. Bäume können auch in Städten für den Wasserkreislauf ein Segen sein. In Toulouse wuchsen rechts und links neben der Garonne (ein Fluss) für längere Zeit sogar Apfel- und Birnenbäume. Wie herrlich, man könnte gleich etwas ernten. Bäume kühlen das Stadtklima angenehm runter, verbessern die Luft- und Lebensqualität und ‚atmen‘ Wasser ein und verdunsten dieses wieder. Sie tragen daher zu einem langsamen Wasserkreislauf bei.

Ganz direkt können wir in unseren Gärten Wasser natürlich auch sammeln und damit unsere Trinkwasserreserven schonen, indem wir Regentonnen aufstellen. Private Regentonnen und Cisternen könnten den Frischwasser-Verbrauch maßgeblich reduzieren und durch Oberflächenverdunstung ebenfalls zu einem verbesserten Wasserkreislauf beitragen.

Gebiete/Gärten mit Hängen können flache Dämme im eigenen Areal anlegen, in denen Wasser aufgefangen wird, versickern kann und dem gesamten Ökosystem dient.

Wir können im Haushalt wassersparende Geräte verwenden und Kleidung second-hand kaufen, sodass die stone washed Jeans ihren Look durch viel Tragen und nicht durch einen horrenden Wasserverbrauch in China erlangt hat.

Mir und euch und Ihnen fallen beim Nachklingen bestimmt noch viele Beispiele ein. Und den Anstoß dafür habe ich bestimmt gegeben…

Veröffentlicht von Christine Heybl

Ich habe zum Thema 'Klimagerechtigkeit' promoviert, Hauptfach Philosophie, Nebenfach Biologie. Ziel war es zum Thema Nachhaltigkeit, herauszuarbeiten, dass durch den Klimawandel Menschenrechtsverletzungen entstehen und wir daher die Verpflichtung haben, in allen Bereichen der Gesellschaft eine nachhaltige, ökologisch-vertretbare Lebensweise einzuführen, die die Menschenrechte aller Individuen sowohl heute als auch in Zukunft möglich macht und schützt. Ich bin sehr Nachhaltigkeitsthemen interessiert, zurzeit v.a. an nachhaltigem Konsum, organischer Landwirtschaft und Permakultur.

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