Der Mensch gehört zur Natur. Das ist eine triviale Aussage.
Oder ist es das zu Zeiten von ununterbrochen verfügbaren Hosentaschen-Computern, 3D-Brillen und Virtual Reality-Brillen nicht?
Die Menschen sind Teil der Natur, aber uns umgibt hauptsächlich domestizierte Umgebung, die wir selbst geschaffen haben. Menschen beklagen sich, dass ihnen die Städte zu grau, zu asphaltiert, zu neonlichtdurchflutet sind. Dass ihnen Zeit in der Natur fehlt, ihnen der Sonntagsspaziergang am See immer so gut täte und die Kinder viel ausgeglichener wären nach einem Nachmittag im Wald.
Trotzdem fühlen wir uns auf den betonierten Straßen wohl. Weil wir es kennen, weil es uns vertraut ist, weil wir so aufgewachsen sind.

Kartoffeln kommen aus dem Supermarkt und Kühe sind lila. Sowohl Kinder, Jugendliche als auch Erwachsene wissen nicht mehr, wie rote Beete wächst oder was eine Quitte ist. Woher auch? Gerade jetzt ist es schnell wichtig ein neues POP3-Konto bei der team-neu-Email-Adresse einzurichten, einen neuen Instagram-Post auf den Weg zu bringen oder die endlosen Papierberge mit Briefen von Versicherungen, Rechnungen und Zeitungen zu sortieren, die sich bereits auf dem Kleiderschrank stapeln. Oder sein Email-Postfach von 456 auf ca. 200 Nachrichten einzudämmen. Oder die 1.400 Fotos vom letzten Urlaub zu sortieren. Wir alle kennen unseren Alltag, solche Aufgaben.
Wichtig ist zu sehen, was heute eigentlich Priorität haben sollte und zu versuchen, es zu praktizieren. Ein neues Zusammenleben mit der Natur ist gefragt, auch mit unseren Emails und unseren Papierstapeln. Wir brauchen eine neue Welt, eine Konvergenz aus einem harmonischen Zusammenleben mit der Natur, das in der Vergangenheit schon einmal stattgefunden hat und all dem, was sich in unserer Lebenswelt etabliert hat wie dem Gebrauch des Internets, Errungenschaften, um Landwirtschaft und Mobilität zu erleichtern , Hygiene als auch medizinische Versorgung sicherzustellen, Bildung und kulturellen Austausch zu ermöglichen als auch jedem Menschen ein beheizbares Obdach, ausreichend gesunde und leckere Nahrung und Kleidung zu gewährleisten.
Wie diese neue Welt aussehen wird, wissen wir noch nicht genau, auch wenn es Utopien dazu gibt. Ein Erinnern, dass wir ein Teil des globalen Ökosystems sind könnte dabei schon helfen.
Die Natur möchte, dass wir uns erinnern und dankt es uns. Ich habe jemanden kennengelernt, der allein auf 5 Hektarn Agroforst mit Fruchtbäumen gepflanzt hat und nun mit einer reichen Ernte, notwendigen Schatten für seine Felder und einer guten Wasserhaltekapazität in seinen Böden belohnt wird.

Ein anderes Beispiel ist, dass es gibt vielfältige Versuche und Anwendungen gibt, bei denen unsere Ausscheidungen in reichhaltigen Humus verwandelt wurden, der ausgelaugte Erde nährte.
Schon indigene Völker haben einen Beitrag zur Bodenfruchtbarkeit geleistet, indem sie in konischen Löchern in der Erde ihre Nahrung zubereitet haben, sie mit Resten des Kochvorgangs wie z.B. Fischgräten und Tonscherben der Gefäße vermischten, darauf urinierten und das Ganze zuschütteten. Langfristig bildete sich eine wertvolle Schwarzerde, auch Terra Preta genannt.

Autoren schreiben wunderschönste Bücher über Moor- und Marschlandschaften. Biologen zeichnen detailreich Wälder oder Meeresorganismen ab, dokumentieren diese und/oder machen daraus Kunstwerke. Der französische Waldforscher, Francis Hallé ließ sein Zelt auf Baumkronen hieven, um Wälder und alles Leben in ihnen zu erforschen.

Quelle (zur freien Verfügung): https://www.verticaliavalencia.es/2015/11/el-poder-no-sabe-el-valor-del-arbol.html
Der berühmte Permakultur-Designer Masanobu Fokuoka säte immer Getreide und Reis im Wechsel, sodass er eine Ernte einholen konnte, während die anderen Pflanzen schon zur Hälfte gewachsen waren und somit der Boden nie kahl war, vor Erosion und zu starker Sonneneinstrahlung geschützt. Er imitierte damit die Natur, die auch verschiedene Kulturen im Schutz anderer gedeihen lässt.
Überall auf der Welt probieren Menschen Methoden in der Landwirtschaft aus, um wieder mit der Natur zu arbeiten statt gegen sie. Das Erinnern funktioniert.
Aber wie schaffen wir es in einem großen Maßstab? Wie können auch die Städter wieder mehr Verbundenheit aufbauen, v.a. da es in Zukunft immer mehr Menschen geben wird, die in Städten wohnen werden?

Paris – Innenstadt
Vielleicht reicht es schon, sich zu klarzumachen, dass alles zusammenhängt. Das gebundene Kohlenstoffatom im Boden kann sich in einen Teil eines Grashalmes transformieren. Dieser in einen Teil einer Kuh, wenn er von dieser gefressen wird. Ein Teil der Kuh kann sich in den menschlichen Organismus einfügen, wenn wir kein/e Vegetarier/In sind. Und diese/r, die/der Nicht-Vegetarier/In in diesem Fall, aber auch alle anderen, werden zu Bestandteilen von Asseln, Käfern, Würmern, Bakterien, usw., sobald das menschliche Wesen stribt und verwest. Oder auch zu Humus, also Boden. Und so schließt sich der Kreis und die Bausteine des Lebens wandern, aber sie bleiben Teil der lebendigen Welt.
Sich daran zu erinnern, verändert den Blick auf die Natur. Die Macht der Kreisläufe verbindet alles. Die Verbundenheit ist also schon da. Wir müssen sie nur sehen.
Oder uns erinnern.
