Die Klimakrise hat viele Facetten. Dass Emotionen eine große Rolle spielen, ist mittlerweile im gesellschaftlichen Diskurs angekommen. Klimaangst, Schuldgefühle, Resignation sind Beispiele. Auch Wut.
Ein Kontext, in dem es mir immer wieder auffällt, dass Wut entsteht, sind Diskurse zwischen den Generationen.
Natürlich – und leider – ist hier viel Zündstoff. Nicht nur auf den Gebieten des Klima-/Umwelt- und Naturschutzes, aber auch im Bereich Arbeitsmoral. Auch ich (Jahrgang 1981) kann mir als eher sanftmütiger Charakter nicht helfen – die Vorstellungen von Vertretern meiner Elterngeneration über (nicht (!)-) klimaschützendes Verhalten und preußische Arbeitsethik führen oft dazu, dass ich sich bei mir die Nackenhaare aufstellen.
Aber ich sehe und verstehe auch: Diese Generation kommt woanders her. Sie hatte und hat ein anderes Selbstverständnis und wollte woanders hin. Sie hatte ganz andere Bedürfnisse als viele Menschen in meinem Alter und die, die nachfolgen.
Ich handele den Punkt zum Arbeitsethos als erstes ab. Die Generation Y (zu der ich gehöre) ist in Verruf geraten, nicht mehr genug und anständig arbeiten zu wollen, sondern nach ihrer wellness-work-life-balance zu streben, ohne Rücksicht darauf, dass doch die Gesellschaft ihre 180%ige Arbeitskraft braucht.
Okay – das sagt eine Nachkriegsgeneration, denen die große Sorge des Mangels von ihren Eltern mitgegeben wurde. Die Y- und die darauffolgende Z-Generation ist im Überfluss groß geworden. Oder eher in der Konsumverstopfung wie es die Postwachstumsvertreter ausdrucken würden. Wir besitzen soviel, dass es unseren Alltag verstopft, wir kümmern uns mehr um das Hin- und Herräumen und Organisieren unserer Güter (welchen neuen Chip brauche ich für welches Gerät, wann kommt das neue Apple-IPhone? Wie kann ich mir die neue Edition von xy auf meinen E-Reader runterladen?), als sie zu benutzen. Der Bedarf, sich konstant von Gütern und Informationen zu trennen, von denen man überflutet wird, verbreitet sich zusehens.
Hier gibt es eine schöne Verbindung zu dem Thema ‚Klima‘. Warum sollte ich als Vertreterin der jüngeren Generation in diesem Artikel noch willens sein, meine 180%ige Arbeitskraft in Unternehmen, einen Betrieb, eine Firma stecken, die ein System unterstützt, das unsere Lebensgrundlagen zerstört? Warum sollte ich mich daran beteiligen wollen, dass seltene Rohstoffe ausgebeutet und damit Böden verseucht werden zur Herstellung von sinnbefreiten Konsumgütern mit Obsoleszenz? Wieso sollte ich mich für Strukturen stark machen, die unglaublich viel menschliche und elektrische Energie in eine aufgeblasene Bürokratie und (v.a. Selbst-)Verwaltung stecken? Wieso sollte ich meine Lebenszeit darin investieren, dass Wälder für Papierverbrauch, Pappverpackungen, als Brennmaterial und als Baustoff abholzt werden, wenn sinnvolle Wiederaufforstungsmaßnahmen mit der Lupe zu suchen sind und es bessere Lösungen gibt? Warum sollte ich mich in Greenwashing-Strategien aufreiben, wo kurz vor Ende des Projekts gesagt wird, dass die Umsetzung des Klimaschutzkonzepts zurzeit keine Priorität ist?
Warum sollte ich mich an einem System beteiligen (wollen), dass zerstörerisch ist? Und das mit einer Arbeitskraft, die 180% meines Alltags absorbiert?
Meine Elterngeneration hat viel gearbeitet. Sie hat damit Systeme aufgebaut, die hilfreich und sicherheitsstiftend sind. An anderen Stellen hat sie Infrastruktur geschaffen und Industriezweige aufgebaut, die heute nicht mehr tragbar sind wie die Automobilindustrie und große Lebensmittelkonzerne. Zudem sind bürokratische Abläufe mittlerweile aufgeblasen und verfahren.
Natürlich hat meine Generation und Jüngere davon profitiert. Von dem Reichtum, von der Sicherheit, von den Strukturen. Selbstverständlich!
Aber wir müssen uns zusammen eingestehen und verstehen, dass vieles nicht mehr funktioniert. Jüngere Berufs- oder auch Studieneinsteiger treten daher erst einmal zurück. Müssen sich orientieren. Nehmen sich vielleicht eine Auszeit – die in der Tat dem preußischen Arbeitsethos widerspricht – um herauszufinden, wie sie einen Platz in der heutigen Gesellschaft finden, wo sie Strukturen ändern können und trotzdem ihre Brötchen verdienen. „Trotzdem“, weil diese Bereiche oft nicht oder kaum finanziert werden. Junge Menschen wollen arbeiten, aber oft nicht Vollzeit, weil sie nebenbei ein Ehrenamt ausüben wollen, das ihnen sinnvoll erscheint. Oder unbezahlt ökologische Projekte initiieren und organisieren. Und gleichzeitig auch noch erholsame Freizeit haben möchten, die jedoch nicht so ausschweifend ist, wie ihnen oft vorgeworfen wird.
Schließlich sind Arbeitsplätze im Bereich Klima-/Umwelt- und Naturschutz so sehr unterfinanziert, dass nicht selten befristete Teilzeit-Stellen ausgeschrieben werden. Wenn man nicht die volle Zeit für die Hälfte des Gehalts arbeiten will, arbeitet man dann in der Tat nicht so viel.
Dazu kommt, dass meiner Generation und allen jüngeren wohl bewusst ist, wie die Prognosen für die genannten Bereiche, aber auch für andere Thematiken aussehen und dies die eingangs erwähnten Klimagefühle hervorrufen kann. Damit kommt zu der Aufgabe, das System zu ändern und dem Imperativ, viel arbeiten zu sollen, die emotionale Bürde eines fortschreitenden Klimawandels mit seinen Bedrohungen.
Wahrscheinlich konnte man meine Frustration zu diesem Thema herauslesen. Ich möchte jedoch auf keinen Fall hier enden, sondern auf einen Satz von oben zurückkommen:
Wir müssen zusammen verstehen, dass vieles nicht mehr so funktioniert wie früher. Mit einer neuen Ehrlichkeit könnten wir gemeinsam nach Lösungen suchen und uns unterstützen, wenn wir uns bewusst machen, wer woher kommt und wohin gehen musste/muss und/oder möchte.

Bild-Quelle: https://www.greenpeace.org/denmark/div/greenpeace-klimaraadet-giver-politikerne-et-veldokumenteret-spark-bagi