Die wahren Helden heute sind unsere Biobauern

Hallo an alle die mitlesen! Wie immer: vielen Dank, dass ihr dabei seid.

Ich war vor Kurzem in dem Film: ‚Unser Boden – unser Erbe‘ und er hat mich tief beeindruckt – daher dieser Artikel, auch wenn ich schon eine ganze Weile die Überschrift durch andere Erfahrungen mit mir herumtrage. Durch meine 3,5jährige Verkaufs- und Orga-Tätigkeit in einem Bioladen, in dem ich mir die selbstberechneten Preise durch den Kopf habe gehen lassen, bei meiner Mitarbeit bei einer Solidarischen Landwirtschaft in Frankreich und dem dortigen Ernten der Salatköpfen, von denen der eine mal so, der andere mal ganz anders (zerfleddert, angeknabbert, von Schneckengängen verziert) war, während der Samstage, bei denen ich auf dem Wochenmarkt Bioobst und -gemüse verkauft habe, bei meinen Recherchen zu organischer Landwirtschaft und so weiter…

Der Film startet mit einer Hiobsbotschaft: Die FAO prognostiziert, dass wir noch 60 Erntejahre haben, wenn wir damit fortfahren unseren Boden so zu behandeln, wie wir es tun.

Durch die konventionelle Art wie wir den Boden bewirtschaften laugen wir ihn aus und setzen ihm Schad- und Giftstoffe in hohen Dosen zu, so dass ‚tote Fläche‘ übrig bleibt. Wir müssen als Gesellschaft lernen, dass eine nachhaltige Bewirtschaftung, die den Boden lebendig hält, zu wertschätzen. Dies ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der Politik – Subventionen umzuverteilen, dem Konsumenten/Genießer/Wertschätzer – die adäquaten Produkte zu kaufen, dem Bauern – den Mut zu haben, tatsächlich umzustellen.

Boden wie wir ihn wahrscheinlich malen würden, nämlich als braune Fläche, ist eigentlich ein Krankheitsbild. Boden ist Leben, darüber und darunter. Es muss also etwas dort sein, darüber und darunter, was zeigt, dass der Boden lebt. In einer Handvoll Erde sind mehr Insekten, Gewürm und Lebendiges als Menschen auf dem Erdball.

Es muss gewertschätzt werden, was Biobauern machen, nämlich für die Lebendigkeit und Langlebigkeit des Bodens zu sorgen. Auf einem Feld, auf dem eine Monokultur mit Zwiebeln angebaut wird – Zwiebeln werden sogar im Bioanbau als Monokultur angebaut, weil sie so wirklich am allerbesten gedeihen – kann erst in 8 oder sogar 9 Jahren wieder Zwiebeln angebaut werden. In der Zwischenzeit braucht der Boden Erholungsphasen mit Fruchtfolgen. In einigen Jahren wird gar nichts dort geernet, weil der Boden diese Zeit braucht, um sich regenerieren. So wie der Mensch Urlaub, Schlaf und Pausen braucht.

Am Endprodukt kann der Kunde erst einmal nicht sehen, wie der Boden bearbeitet wurde, welche Stoffe beim Anbau in unser Trinkwasser und die Erdschichten gelangt sind. Das heißt, es ist verständlich bei dem Druck, der momentan auf den Bauern lastet, dass sie Kosten einsparen bzw. Zeit und versuchen, Erträge zu maximieren. In der konventionellen Landwirtschaft funktioniert dies natürlich mit giftigen Spritzmitteln, die schnell langfristig effektiv Beikräuter verschwinden lassen. Im Bioanbau wird tatsächlich mit der Hand gejätet – größerer Zeitaufwand, mehr Personalkosten. In der konventionellen Landwirtschaft werden natürlich Prachtexemplare an Kohlrabi-Köpfen und faustgroße Pflaumen mit künstlichen Düngemitteln, die den Boden auslaugen, herangezüchtet. Wenn dies immer noch das ist, was der Großmarkt ihnen am ehesten abnimmt, muss man dafür ein gewisses Verständnis aufbringen.

Aber es handelt sich um Lebendiges – der Boden ist lebendig. Er ist das einzige ‚Instrument‘, das uns in der Zukunft ernähren kann. Und nicht nur ernähren, auch versorgen. Versorgen mit Baumwolle für unsere Kleidung, Kautschuk für Autoreifen oder Waschmaschinendichtungen, Holz für Papier, Betten, Schränke, und so weiter und so weiter.

Das kann passieren, wenn man einen Baum fällt

Letzten Endes entscheidet der ‚Wertschätzer‘, der Konsum, der wertschätzt, wie ein Produkt entstanden ist, der wertschätzt, was der Produzent gemacht hat, damit ein Produkt entsteht, aber auch, was für lebenserhaltenden Nebeneffekte das Tun des Produzenten hervorgebracht hat.

Stand mit Bioost und -gemüse in Frankreich, Nähe Toulouse

Äcker regenerieren, das stimmt. Ein ‚toter‘, stark geschädigter Acker durch Überdüngung, jahrelange Monokultur, Erosion, dessen Erdschicht im Prinzip leer ist und so gut wie keinen Humusgehalt aufweist, kann heilen. Erde kann heilen, sogar nach nur 2 Jahren mit Mithilfe des Menschen.

Durch: Mischkulturen, Gründüngung, kein Umgraben – ein für die Natur vollkommen unnatürlicher Prozess, außer, wenn sich mal Schweine auf dem Terrain die Zeit vertreiben. Diese werden auch in der Permakultur als sanfte Pflüge genutzt, wenn der Boden tatsächlich mal eine Umwälzung benötigt, wenn z.B. eine Rasenfläche in Ackerland umgewandelt werden soll.

Schweine fügen dem Boden allerdings durch ihren Mist dem Boden auch wieder etwas zu, wenn sie ihn unbewusst umpflügen. Zudem haben sie natürlich viel weniger konzentriertes Gewicht auf einer Stelle als große Traktoren, die mit Ihrem Gewicht den Boden zusammenpressen und alles Lebende zerdrücken.

Schweine zur Bodenbearbeitung auf einem Permakulturhof

Der Clou ist, dass der Boden immer bedeckt gehalten werden muss. Die Wurzeln und das, was über der Erde wächst bedingen sich. Das Grün über der Erde kann durch Photosynthese Licht in Nährstoffe für die gesamte Pflanze umwandeln, auch für die Wurzeln und so das Wurzelwachstums ankurbeln. Wir das Grün über der Erde reduziert, reduziert sich auch die Wurzelmasse, da diese nicht mehr ausreichend genährt wird.

Hof mit organischer Landwirtschaft in der Nähe von Paris

Und gleichzeitig kann der Boden so viel! Wenn wir überall auf unserem Ackerland 0,4% Humusaufbau betreiben würden, würde unser kompletter CO2-Ausstoß von der Erde aufgenommen. Geradezu aufgesogen, weil die Pflanze dieses CO2 ja braucht, genauso braucht, um zu überleben und zu wachsen, wie wir Sauerstoff brauchen. Wenn wir daher dafür sorgen, dass der Boden bedeckt ist und Pflanzen da sind, die das CO2 aufnehmen können und gleichzeitig den Boden mit Wurzelmasse anreichern und unterirdisch lebendiger machen, zudem durch Laubabwurf dem ganzen organisches sich zersetzendes Material zufügen, ist schon so viel erreicht! Das heißt, wir können die Landwirtschaft von einem CO2-Emitteur, die sie zurzeit und widersinnigerweise leider ist, wieder umwandeln in eine wertvolle CO2-Senke, die uns nicht nur gesunde Lebensmittel schenkt, sondern auch das Klimaproblem eindämmt.

Supergesund und ’nur‘ aus der Erde

Gleichzeitig wird es immer schwieriger und aufwändiger organische Landwirtschaft zu betreiben. Vor 10-20 Jahren mussten die Bio-Bauern nicht alle ‚Register ziehen‘ wie sie es nennen. Heute sieht es ganz anders aus. Es kann auch im April noch mal eine Woche Schnee und Eiseskälte geben, wogegen es im Mai durchgängig 2 Wochen nicht regnet und mit Temperaturen von über 30 Grad an 3 Tagen in Folge zu rechnen ist. Dies lässt die Blüten erfrieren oder auch nicht. Zwiebeln schießen oder auch nicht. Erdbeeren verdorren oder auch nicht. Erdbeeren nicht verdorren zu lassen, erfordert einfach viel Bewässerung und ggf. auch gute Folienzelte. Bei den Zwiebeln ist die Zeit zwischen dem Hagel im April und dem eventuellen Sprießen im Juli einfach lang und der Bauer muss sie trotzdem hegen und pflegen in der Hoffnung, in Zukunft Früchte ernten zu können und diese nicht als Mulchmaterial wieder dem Boden zuzufügen.

Dabei geht heute eh schon eine große Menge an Lebensmitteln verloren, bei der Ernte, weil sie nicht den EU-Standard entsprechen.

Ein Appell an die ‚Wertschätzer‘, die Einkaufer, die Konsumenten: Ihr bestimmt bei eurer Kaufwahl, wie in Zukunft unsere Acker behandelt werden, wie angebaut wird/ angebaut werden kann. Wertschätzt den niedlichen, aber schmackhaften Kohlrabi, die kurios gewundenen, sich umschlingenden kleinen Möhren, die fair bepreiste Milch oder das hochwerte Biofleisch. WIE diese für uns überlebenswichtigen Dinge hergestellt wurden, bestimmt ob die Urquelle, der Boden, noch dazu in der Lage ist, diese Güter auch für unser Kinder und alle nachfolgenden Generationen hervorzubringen.

Und ein Letztes: Es schmeckt auch besser! Bestes Beispiel dafür: feinster Bio-Käse aus Frankreich –

Wochenmarktstand in Blois, Frankreich

Veröffentlicht von Christine Heybl

Ich habe zum Thema 'Klimagerechtigkeit' promoviert, Hauptfach Philosophie, Nebenfach Biologie. Ziel war es zum Thema Nachhaltigkeit, herauszuarbeiten, dass durch den Klimawandel Menschenrechtsverletzungen entstehen und wir daher die Verpflichtung haben, in allen Bereichen der Gesellschaft eine nachhaltige, ökologisch-vertretbare Lebensweise einzuführen, die die Menschenrechte aller Individuen sowohl heute als auch in Zukunft möglich macht und schützt. Ich bin sehr Nachhaltigkeitsthemen interessiert, zurzeit v.a. an nachhaltigem Konsum, organischer Landwirtschaft und Permakultur.

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