Terra Preta/Holzkohle

Die ist eine Dokumentation über einen Versuch, ‘Terra Preta’ bzw. ‚Holzkohle‘ als Privatperson in kleinem Rahmen herzustellen.

Hintergrund:

Als ich mich dafür entschied, selbst Holzkohle herzustellen, hatte ich die wunderbare Gelegenheit, mich auf dem gut ausgerüsteten Permakultur-Hof ‚Hidden Creek‘ in Santa Cruz zu befinden, der von der offenen und begeisterungsfähigen Besitzerin Jennifer geführt wird.

Interesse:

Mein Interesse, Holzkohle herzustellen, entspringt meiner Leidenschaft für Permakultur. Ich las einige Bücher und Artikel über Permakultur und lernte dadurch ‚Terra Preta‘ mit seinen Vorteilen kennen, ein hocheffizientes Düngemittel zu sein als auch signifikantes Potential zu besitzen, Kohlenstoff zu binden. Es kann daher sowohl in der organischen Landschaft als im Bereich des Klimaschutzes mit großem Nutzen eingesetzt werden. Auch wenn dieses Material umstritten ist, habe ich diverse Artikel darüber gelesen, die die Bodenfruchtbarkeitseffekte und die Kapazität, CO2 zu absorbieren, anpreisen.

Die Testergebnisse im Botanischen Garten in Berlin ergaben, dass der CO2-Output-Effekt umgedreht werden konnte, so dass letztlich wesentlich mehr CO2 absorbiert wurde, als zuvor aus diesem Grundstück ausgestoßen.

Es ist umstritten, da während des Verbrennungsprozesses krebserregende Gase entstehen. Zudem argumentieren Skeptiker, dass das Material nicht annähernd so effektiv ist wie zurzeit angenommen wird. Wichtig ist, es richtig herzustellen, was bedeutet das Holz ohne Rauchentwicklung zu verbrennen.

Ziel:

Mein Ziel bei diesem Experiment war, für mich selbst herauszufinden, wie einfach/ kompliziert es ist, diese ‚Schwarzerde‘ herzustellen, da in meinen Permakultur-Büchern auch folgende Methode ohne speziellen Ofen vorgeschlagen wird. Mein Wunsch war, selbst viel zu lernen als auch eine Anleitung für Jennifer zu schreiben, um es ihr möglich zu machen in Zukunft ggf. oft und zu größeren Quantitäten Holzkohle/‘Terra Preta‘ herzustellen. Ein fantastisches Resultat könnte sein, mit diesem Material noch zusätzlich zu verbessern (sie war bereits sehr gut dank ihrer Permakultur-Techniken), besonders an bestimmten Stellen. Mit all dem Holz auf der Farm wäre genug Rohstoff vorhanden, um die nächsten Jahre auf ‚Hidden Creek‘ Holzkohle/‘Terra Preta‘ herzustellen.

Ich persönlich kann nun diese Präsentation erstellen, habe ausführlich mit Hand und Kopf dieses Verfahren kennengelernt und kann darüber weiterhin schreiben. In der Zukunft werde ich hoffentlich noch mehr Möglichkeiten haben, um es auf anderen Farmen auszuprobieren und das Wissen darüber zu verbreiten.

Unterschied zwischen Holzkohle und ‚Terra Preta‘:

Holzkohle ist das Vorprodukt von ‚Terra Preta‘. Holzkohle ist lediglich Holz, das nicht gänzlich verbrannt ist. Es wurde von der ‚‘International Biochar Initiative’ definiert als „The solid material obtained from the thermochemical conversion of biomass in an oxygen-limited environment“[1]. Nach gegenwärtiger Forschung ist es dazu fähig, Kohlenstoff in großen Mengen zu speichern und die Bodenfruchtbarkeit deutlich zu erhöhen.


[1]: „Standardized production definition and product testing guidelines for biochar that is used in soil“ (PDF). 2015. Retrieved 23 November 2015

‚Terra Preta‘ ist eine verbesserte Form von Holzkohle, indem weitere Zutaten dazu gemischt werden. Es wird auch ‚Terra preta de índio (schwarze Indiandererde) genannt, da es erstmal in bevölkerten Regionen im Amazonas gefunden wurde. Diese Erde enthält Kohle, menschliche Exkremente, Kompost und Mist, oft auch Tonscherben als auch Knochen und manchmal Fischgräten.

Um Terra Preta zu bekommen, müssen wir der Holzkohle daher ein paar dieser Zutaten untermischen. Es wird z.B. empfohlen, das Feuer mit Urin zu löschen. Wenn du über eine Trockentoilette verfügst, ist dies z.B. eine Super-Methode, um den Urin zu verwenden. Die verbleibende Flüssigkeit zum Schluss ist auch ein wertvolles, die Erde verbesserndes Nebenprodukt.

Die urin-durchtränkte Holzkohle kann mit Kompost, Mist, Exkrementen versetzt werden, um das Endprodukt ‚Terra Preta‘ zu erhalten.

Rezept:

Als allererstes muss ein Loch gebuddelt werden – 1,5m im Durchmesser und 1m tief. Es gibt spezielle Öfen, um Terra Preta herzustellen, doch dieses ist die Alternativ-Lösung für Anfänger.

Auf Jennifers Farm konnten wir zudem noch einen Metallrahmen verwenden, um den Wind abzuhalten. Die Absicht ist, einen Platz zu haben, wo Holz ohne Rauchentwicklung brennen kann, ohne es komplett zu verbrennen. Die Holzkohle soll erhalten bleiben. Daher brauchen wir einen Feuerplatz, den kaum/möglichst kein Wind erreicht.

In das gegrabene Loch stellten wir eine Keramikschale, die verfügbar war (s. Foto Nr. 2). Auf jeden Fall brauchst du etwas, worin du das Holz verbrennen kannst und welches die Holzkohle auffängt, so dass du sie am Ende heraussammeln kannst.

Der Aufbau/ der Feuerplatz

Jetzt muss der Rohstoff – das Holz – vorbereitet werden. Am besten eignen sich mittelgroße Stücke. Ich nahm ca. 27cm lange Äste (s. Foto Nr. 1). Die dickeren Stücke platzierte ich nach unten in der Keramikschale, die mittleren kamen darüber und ganz oben stapelte ich einige schlankere bzw. sehr dünne Ästchen zum Anzünden.

Das Rohmaterial: Holzstücke

Das Feuer muss von oben angezündet werden, was ungewohnt ist, da es normalerweise anders herum funktioniert. Das ist etwas kompliziert. Ich mischte einige sehr dünne Ästchen mit kleinen Zeitungsbällen und stopfte diese nahe der ersten mittelgroßen Holzstücke, die ich in Holzkohle verwandeln wollte.

Wenn das Feuer brennt, ist es wichtig dafür zu sorgen, dass möglichst kein Wind es aufmischt. Ich habe dafür das Feuer mit Kartonstücken beschattet. Die Hauptaufgabe, die während des Verbrennungsprozesses zu tun ist, ist Holzstücke nachzulegen, bevor die oberen Stücke verbrannt sind. Das Holz sollte solange brennen, bis es zu Kohle geworden ist, das heißt, bis es schwarze harte Holzstücke darstellt, aber nicht bis es vollständig zu Asche zerfällt. Dies kann erreicht werden, indem neue Stücke immer gerade dann nachgelegt werden, bevor die Oberfläche der brennenden Stücke weiß wird und das Holz daher vollständig zu Asche verbrennt. Mit der Zeit und ein wenig Übung, bekommt man ein Gefühl dafür.

Der Verbrennungsprozess

Wenn du das Verfahren beenden möchtest, weil du genug Holzkohle hergestellt hast/es keinen Platz mehr in der Feuerschale gibt oder Ähnliches, kannst du das Feuer mir Urin (dies ist empfohlen, um die positiven Effekte zu verstärken) oder Wasser ablöschen. Ich habe beides benutzt, da ich nicht genügend Urin hatte, um das Feuer völlig zu löschen.

Container mit Urin zum Ablöschen des Feuers
Das wertvolle Nebenprodukt: die verbleibende Flüssigkeit aus Wasser, Urin und Resten von Holzkohle

Das war’s! Jennifer und ich waren sehr froh über meine erste Holzkohle-Ernte J. Ich hoffe, dass ich dich durch diese Dokumentation motiviert habe, dieses Spiel mit dem Feuer auch mal auszuprobieren.

Das (fast-) Endprodukt: die Urin-getränkte Holzkohle

Anwendung:

Das Buch[1], das ich zur Hilfe genommen hatte für dieses Experiment, rät, eine Hand voll des Terra-Preta-Substrats in das Pflanzloch zu geben. Die Wurzeln des neu gepflanzten Sprösslings sollten nicht direkt mit der ‚Schwarzerde‘ in Berührung kommen. Sie muss daher tief in das Loch geschüttet werden, etwas Erde sollte sie bedecken und die Neupflanzung daraufgesetzt. Während die Pflanze wächst, werden sich ihre Wurzeln ausbreiten und die Nährstoffe des Terra-Preta-Substrats erreichen.

Es gibt viele weitere sehr gute Hinweise zur Verwendung auf dieser Internetseite:

http://www.ithaka-journal.net/inhalt/klimafarming?lang=de

[1] Scheub, Ute/ Schwarzer, Stefan (2017): “Die Humusrevolution. Wie wir den Boden heilen, das Klima retten und die Ernährungswende schaffen.“, oekom Verlag, München

Der Artikel erschien erstmalig auf zeitgedanken.blog.

Veröffentlicht von Christine Heybl

Ich habe zum Thema 'Klimagerechtigkeit' promoviert, Hauptfach Philosophie, Nebenfach Biologie. Ziel war es zum Thema Nachhaltigkeit, herauszuarbeiten, dass durch den Klimawandel Menschenrechtsverletzungen entstehen und wir daher die Verpflichtung haben, in allen Bereichen der Gesellschaft eine nachhaltige, ökologisch-vertretbare Lebensweise einzuführen, die die Menschenrechte aller Individuen sowohl heute als auch in Zukunft möglich macht und schützt. Ich bin sehr Nachhaltigkeitsthemen interessiert, zurzeit v.a. an nachhaltigem Konsum, organischer Landwirtschaft und Permakultur.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Zeit - Gedanken

Aspekte unserer Zeit - Politik, Ökonomie, Militär, Energie

Klimaschutz und Philosophie

Praktisches und Humorvolles

%d Bloggern gefällt das: