Wo ist der Knotenpunkt?

Ich habe schon in unterschiedlichen Institutionen im Klimaschutz gearbeitet – an der Uni, in Unternehmen, in NGO’s, in der Verwaltung. Überall dort und in unserer Gesellschaft insgesamt scheint immer wieder die Frage aufzukommen, wo der Knotenpunkt ist, um Klimaschutz endlich in Gang zu setzen, umzusetzen!

Ist dieses Nadelöhr, an dem alles hängt nicht (immer wieder) in der Aufklärung der Bevölkerung zu finden? Wenn nun endlich alle Bürger richtig konsumieren, weniger bis gar nicht mobil sind, sich klimaschützend ernähren und ihr Geld investieren, dann!

Nein, das funktioniert nicht. Es gibt ja schon im Baurecht so viele Vorschriften und Verordnungen, dass dem Individuum schon behördlich so viele Stolpersteine für ein ökologisch gedämmtes Haus in den Weg gelegt werden, dass dies ein Ding der Unmöglichkeit zu sein scheint. Es gibt Skandale bei Biosiegeln, v.a. beim Fischfang und in Bezug auf Bio-Artikel aus Billig-Discountern, die die Glaubwürdigkeit aller diskreditieren. Subventionen laufen fehl, so dass selbst aufgeklärten und willigen Landwirten der Umstieg auf Öko-Landbau schwerfällt. Dementsprechend sind Bio-Lebensmittel noch sehr teuer, weshalb die/der Einzelne diese nicht kaufen mag.

Nein, nein, es gibt noch zur Genüge politische Stellschrauben, an denen gedreht werden kann.

Also ist es die Politik!

Naja, so einfach ist es ja nun auch nicht. Wenn der/die Einzelne auf ihr/sein Einfamilienhaus im Grünen und der damit einhergehenden Flächenversiegelung pocht, für den Ausbau und die Umstellung des Nahverkehrs zumindest zeitweise nicht mehr bezahlen soll bzw. sogar das generelle Tempolimit ablehnt, richtet sich die Politik nach diesen Wünschen. Sie werden ja immerhin gewählt von den Bürgerinnen und Bürgern.

Während wir alle darüber nachdenken, wo der magische Knoten sitzt, der platzen müsste, damit endlich (endlich!) Klimaschutz umgesetzt wird, müssten wir uns viel eher angewöhnen, dieses Thema ganzheitlich in unser Leben zu lassen und Lösungen zu Ende zu denken. Ist es wirklich das 3-Liter-Auto, mit dem 3mal so viel gefahren wird? Sind es wirklich die Bio-Artikel aus dem Billig-Discounter, die den Bauern nicht genügend bezahlen, um zu überleben? Ist es wirklich das Passivhaus auf 160m2.

Oder sind es vielmehr ganzheitliche Lösungen wie Energie-Passiv-Gebäude aus Naturmaterialien, die flexibel umbaubar sind, gemeinschaftliches Wohnen ermöglichen und von einem biodiversen Selbstversorgergarten umgeben sind?

Statt den Bio-Lebensmitteln aus dem Discounter direkt vor der Tür, würde ein Abo einer grünen Kiste bei der nächstgelegenen SoLaWi (Solidarische Landwirtschaft) den Strukturwandel in der Landwirtschaft ermöglichen, da organische Landwirtschaft direkt vor der Tür bzw. immerhin in der Region finanziell gefördert und damit überhaupt ermöglicht wird.

Wieso nicht mehr einmalige Handlungen ausführen, die einen Strukturwandel in den Branchen herbeiführen, den wir so dringend brauchen wie zum Beispiel zu einem Stromanbieter wechseln, der den Ausbau von regenerativer Energie fördert?

Und was ich kann noch tun als Einzelne/r? Wieso nicht mit zu Ende gedachten Lösungen so konsequent wie möglich Klimaschutz in das eigene Leben lassen?

Und hier zurück zum Knotenpunkt: Der Knotenpunkt ist nicht nur die Bildung der Bevölkerung, es sind nicht nur politische Restriktionen, es sind nicht nur unternehmerische Innovationen.

Der Knotenpunkt ist überall. Er sickert in alle Bereiche unseres Lebens. Es müssen in der Tat baurechtliche Verordnungen umgeschrieben werden, es müssen tatsächlich andere wirtschaftliche Anreize gesetzt werden, es müssen in der andere Konsumentenentscheidungen getroffen werden. Das heißt, dass uns das Thema in jeden Winkel unseres Lebens begleitet und uns überall fordert, gute Lösungen zu Ende zu denken.

Das klingt schwer, macht das Leben aber auch leckerer, frohsinniger, erlebnisreicher, interessanter und bunter.

Bunter vor allem auch, weil frau/man auf diesem Weg viele tolle, lebendige Menschen kennenlernt.

Und dazu auch mein Tipp am Ende. In der WG meines Bruders hat mal ein Mitbewohner Bilder mit einem kleinen freundlichen Monster gemalt, was sich zu verschiedenen Aktivitäten mit seinen Kumpels zusammengeschlossen hat. Unter den Bildern stand immer: „Bildet Banden“. In diesem Sinne bildet Banden für den Klimaschutz. Tut euch zusammen, wenn ihr noch nicht wisst, wie etwas geht oder auch so. Es ist viel schöner gemeinschaftlich öko-saisonal zu kochen und zu essen und weniger beängstigend allein die Bank zu wechseln.

Bild – frei zugänglich: https://theconversation.com/remote-indigenous-communities-are-vital-for-our-fragile-ecosystems-38700

Veröffentlicht von Christine Heybl

Ich habe zum Thema 'Klimagerechtigkeit' promoviert, Hauptfach Philosophie, Nebenfach Biologie. Ziel war es zum Thema Nachhaltigkeit, herauszuarbeiten, dass durch den Klimawandel Menschenrechtsverletzungen entstehen und wir daher die Verpflichtung haben, in allen Bereichen der Gesellschaft eine nachhaltige, ökologisch-vertretbare Lebensweise einzuführen, die die Menschenrechte aller Individuen sowohl heute als auch in Zukunft möglich macht und schützt. Ich bin sehr Nachhaltigkeitsthemen interessiert, zurzeit v.a. an nachhaltigem Konsum, organischer Landwirtschaft und Permakultur.

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